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AUBERGE EMANUEL

Meine Reise hat vor vielen Jahren begonnen. Heut bin ich an einer Position angelangt, die mich befähigt den nächsten großen Abschnitt zu entdecken. Dies will ich gerne mit Euch teilen.  

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Hier erzähle ich die Geschichte der Auberge Emanuel. Sie ist ein Teil meiner persönlichen Lebensgeschichte. Wie es dazu kam, das erzähle ich in diesem Teil meines Blogs..

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SONNE UND WIND

LAND UND MEER

EINS SEIN MIT ALLEM WAS IST

DAS ERBE

Knapp 10 Jahre liegen zwischen dem ersten und dem zweiten Teil meiner Geschichte.

Wir sitzen beim Italiener. Der Bruder meines verstorbenen Mannes hat darauf bestanden. 
Ein "Leichenschmaus" war nicht geplant, aber man müsse nach der Beerdigung etwas essen. 
- Na gut!

Mir gegenüber sitzt mein Neffe und ich frage ihn nach dem Erbe. Das Grundstück auf Korsika sei nie an ihn überschrieben worden. Er wolle es nicht, ich könne damit machen was ich will. Wenn ich es verkaufe, solle ich das Geld behalten. 

Ich finde einige Tage später die Dokumente und beschließe nach Korsika zu fahren um das Grundstück zu verkaufen. Ich telefoniere mit einem Korsika-Freund von Ludwig und erhalte die Einladung in den Sommerferien für eine Woche in sein Ferienhaus am Cap Corse zu kommen.

Ich starte an meinem letzten Arbeitstag vor den Betriebsferien am Nachmittag und fahre bis nach München, wo ich bei einer Freundin übernachte. Wir haben einen schönen Abend zusammen und meine nächste Etappe geht bis an den Gardasee, wo ich mein Zelt aufstelle. Schwimmen im See und Schlafen sind die nächsten 2 Tage meine Beschäftigung. Ich brauche einfach nur Ruhe nach diesem anstrengenden Kindergartenjahr.

Dann geht es weiter nach Florenz, denn der Zeitpunkt, zu dem ich in Korsika verabredet bin ist noch nicht gekommen und Florenz wollte ich schon immer sehen! Ich genieße diese Tage im Camping Fiesole mit Blick auf die Stadt - aus dem Pool und aus meinem Zelt. Jeden Tag entdecke ich neue Kunstschätze.

Ich sehe "Davide" (die berühmte Skulptur von Michelangelo) und er erinnert mich an meinen ersten Mann, den Vater meiner Kinder. Der, bei dem MEINE Kinder jetzt sind. 

Ja. Wir haben uns im Jahr 2000 getrennt. Die Kinder sind mit mir gegangen, um nach 2 Jahren zu ihrem Papa zu wechseln. Das ist eine andere Geschichte. Ich werde sie an geeigneter Stelle detaillierter erzählen.

Ich habe einige Zeit später Ludwig geheiratet, der ist 3 Monate nach unserer Hochzeit gestorben. Nun stehe ich da. Keine Kinder. Kein Mann. Aber eine Ruine in Korsika. 

Nach einer Woche in Florenz fahre ich in Richtung Mittelmeer. Ich finde den Hafen von Livorno und es dauert nicht lange bis die nächste Fähre geht. Ich buche ein Sparpreisticket und bin wenige Stunden später auf der Insel der Schönheit.

Sofort ist die Erinnerung da an die Situation im Kreisel, bei meinem ersten Besuch und dieses Mal biege ich nach Norden ab. Die Strasse geht am Meer entlang zwischen Felsen und wilden Feigenbäumen und Pinien blüht der Oleander und es gibt sind immer wieder kleine Sandstrände zwischen den Felsen. Es ist so zauberschön dass ich es kaum aushalten kann, und weil ich neugierig bin wie es auf der anderen Seite ist wähle ich die Strasse nach Luri, überquere das Cap und gelange so an die Westküste und weiter nach Norden zu einem kleinen Campingplatz in Centuri, wo ich die nächsten Tage bleibe. Auch hier berührt die wilde Schönheit mein Herz ganz tief. Wieder ist viel Ruhe und Baden angesagt. Es regnet hier jeden Abend kurz und heftig, mein Zelt hält dicht und die Sonnenuntergänge sind spektakulär. 

Nach einigen Tagen muss ich weiter: meine Vorräte gehen zu Ende, der nächste Supermarkt ist in Macinaggio und dort gibt es auch einen Campingplatz.

Hier kann ich bleiben. " Una Tenta, una Macina, una persona." - " Si." Ist das jetzt Italienisch oder Korsisch? Egal. ich hab´s verstanden. Es ist günstig, sauber und nahe am Meer. was will ich sonst noch. 

Da bin ich nun an der Ostküste um mich meinem Erbe anzunähern. Ich finde das Dorf Quercioli und rede mit den Menschen die dort wohnen. Es gibt Feriengäste aus Paris, die Tochter spricht Deutsch und übersetzt mir den Rat der anwesenden: ich solle ins Rathaus gehen um herauszufinden welche der zahlreichen Ruinen denn nun meine sei. 

Ein Nachbar spricht Englisch, "from Time to Time" wie er scherzend bestätigt. Er liest den Plan und weiß welches meine Ruine ist, ich kann es erst mal nicht glauben. 

DAS ??? soll meins sein? Ja, es scheint zu stimmen. Da ist ein Olivenbaum drauf. Das hat Ludwig mal erwähnt. Ansonsten sind da nur STEINE - Naja, eine Ruine eben. Man kann das Grundstück nicht betreten ohne das Risiko einzugehen, dass man einbricht. Ich bezweifle, ob das jemand kauft. 

Einige Tage später ist das verabredete Datum und ich fahre in das Dorf, in dem der Korsika-Freund wohnt. Er hat uns mal besucht, das war vor mehr als einem Jahr, da lebte Ludwig noch. Ich folge seiner detaillierten Beschreibung und finde das Dorf. Ich parke am Ortseingang, da stehen einige Autos mit korsischen und deutschen Kennzeichen. Ich gehe ins Dorf hinein. Die Gasse hat viele Stufen, ich halte mich links und immer nach unten. Alles ist genau wie in der Beschreibung und doch unvorstellbar - so schön! Diese Bauten mit Bögen und Kreuzgewölben aus Naturstein, dazwischen wachsen zauberhafte Wildblumen und unter dem Feigenbaum summen die Wespen, denn hier gibt es schon reife Früchte. Im Hintergrund die bewachsenen Hügel der Macchia in einem sanften Grün. Der köstliche Duft der Pflanzen, die die Macchia bilden weht herüber. 

Ein kleiner Hund bellt mich an. Hier muss ich nach rechts abbiegen, ich höre Stimmen und zwar auf Deutsch! Ja, hier bin ich richtig. Der Freund ist da und stellt mir gleich seine Frau vor und ich lerne ihre Gäste kennen, ein Pärchen mit einem Kind, die schon seit einigen Wochen hier sind. Ich erfahre dass sie morgen abreisen und dass mein Gastgeber mit seiner Frau und dem jüngsten Sohn gerade heute gekommen sind. Ab morgen haben sie Platz, das passt gut, da habe ich Zeit um mein Zelt abzubauen. 

Wir essen gemeinsam und ich fühle mich in diesem Kreis sofort wohl! Die deutsche Nachbarin, die ganzjährig hier lebt, kommt herüber und auch der deutsche Nachbar von der anderen Seite, beide haben Ludwig gekannt. Ich werde als "die Witwe von Fips" vorgestellt. Das war Ludwigs Spitzname. 

Ich erfahre dass das Pärchen mit dem Kind, ein Grundstück, oder besser noch ein Haus kaufen möchten. Sie haben etwas in Aussicht, sind aber auch an meinem Objekt interessiert. Wir tauschen Adressen. 

Am nächsten Morgen ist das Zelt schnell abgebaut und ich bin wieder im hinteren Dorf. Nun beginnt eine schöne Zeit: Wir verbringen den Vormittag meistens beim Ferienhaus und nach einer ausgiebigen Siesta fahren wir an den Strand. Es gibt verschiedene Strände mit ganz unterschiedlichen Vorzügen und ich lerne sie alle kennen. Auch zum Schnorcheln habe ich die Gelegenheit und ich bin verzaubert von der Welt unter Wasser. Nach dem Baden geht es zum Einkaufen und dann nach Hause.

Abends sitzen wir mit Korsischem Rosé draußen und es wird erzählt. Nein, es gibt kein Lagerfeuer, wegen der Waldbrandgefahr. Ich erfahre die Geschichten von früher und zusammen mit den Erzählungen von Ludwig, die in meiner Erinnerung gespeichert sind, formt sich die Geschichte von Fips 

 Wir fahren ins Gebirge und meine Gastgeber gehen zum Klettern, während ich am Bus bleibe. Ich gehe ein Stück in den Wald hinein und bade in eiskaltem Wasser in den Gumpen, die das Wasser hier in die Felsen gespült hat.  Es ist magisch, ich bin wie verzaubert und als mir ein Wildschwein begegnet habe ich keine Angst. Ich schicke ihm freundliche Gedanken und bin ganz ruhig, bis es sich von dannen macht. Na gut, ein bisschen komisch war mir schon. Dann bereite ich das Abendessen vor und als die drei Kletterer zurück kommen können wir essen. Wir schlafen alle zusammen im Bus: die Männer oben, die Frauen unten. Für solche Touren ist es in Korsika schon wirklich super wenn man ein Auto hat in dem man schlafen kann! Wir frühstücken in einem winzigen Bergdorf, es gibt einheimische Spezialitäten. Dann fahren wir wieder zurück ans Cap, nicht ohne auf dem Rückweg noch einige sehenswerte Orte zu durchfahren und uns von der Landschaft verzaubern zu lassen. 

Als nach einer Woche die Zeit in Korsika für mich zu Ende geht weiß ich Einiges: 

Das Grundstück allein ist es nicht, aber ich kann es nicht verkaufen.

Es sind auch die Menschen und das Land, die Düfte, Farben, Formen und auch Wind, Sonne, Meer die mich in meiner Heilung vorangebracht haben.  

Was wird wohl daraus werden?

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