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AUBERGE EMANUEL

Meine Reise hat vor vielen Jahren begonnen. Heut bin ich an einer Position angelangt, die mich befähigt den nächsten großen Abschnitt zu entdecken. Dies will ich gerne mit Euch teilen.  

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Hier erzähle ich die Geschichte der Auberge Emanuel. Sie ist ein Teil meiner persönlichen Lebensgeschichte. Wie es dazu kam, das erzähle ich in diesem Teil meines Blogs..

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SONNE UND WIND

LAND UND MEER

EINS SEIN MIT ALLEM WAS IST

DIE GESCHICHTE VON EMANUEL

Sie waren ein hübsches Pärchen, das sagten alle… und so verliebt!

Ihre Wutausbrüche und seine Eifersuchtsanfälle sah niemand. Warum auch. „das bleibt in unseren 4 Wänden“ sagte er. Und sie war einverstanden. Hatte sie es doch so gelernt in ihrer streng christlich-religiösen Erziehung. Da passte sein moslemischer Hintergrund gut dazu: die Frau ist dem Mann untertan. Sie hatte damit ein Problem, konnte es jedoch nicht wirklich erfassen, geschweige denn kommunizieren.

„Ich will ein Kind!“ sagte er immer und immer wieder. Ein Kind braucht ein Nest, Sicherheit, meinte sie. Hast Du kein Vertrauen in unsere Liebe? Fragte er. Irgendwann akzeptierte sie und lies es drauf ankommen. Nach der Hochzeit wurde nicht mehr verhütet und einen Monat später ging sie zum Frauenarzt.

Der meinte auf die Frage, ob sie schwanger sei, er könne es schon an ihrem Gang sehen und machte natürlich auch gleich einen Test. Im Mai sollte das Kind zur Welt kommen. Alle waren happy.

Finanziell war es schwierig. Das junge Paar lebte von Sozialhilfe, und Jugendhilfe, da der junge Mann, ein Flüchtling aus dem Iran, einen Deutschkurs besuchte. Die schwangere Erzieherin erhielt Arbeitslosengeld und war nicht vermittelbar. Er machte den Führerschein und wollte alle Möbel selbst bauen. Das nahm Zeit und Geld in Anspruch.

Die Beiden hatten immer wieder Streit. Warum? Kleinigkeiten, unterschiedliche Sichtweisen, Missverständnisse, Eifersucht. Sie brauchte Luft, Abstand und einfach einen raschen Spaziergang alleine wenn sie irgendwelche Emotionen zu verarbeiten hatte. Das konnte er nicht verstehen. Er hielt sie fest, versperrte die Türe, sie war völlig am Ende und schlug mit dem Kopf gegen die Wand. Du bist verrückt sagte er. Sie unterlies es, verfiel in Lethargie.

Es gab auch gute Zeiten. Liebevoll war er, brachte Früchte und Blumen nach Hause: Du sollst nur schöne Dinge anschauen sagte er.  Einmal kam er mit einem Bündel Karotten: „Für die Augen unseres Kleinen!“ Gemeinsam planten sie die Wohnungseinrichtung. Gerne luden sie Gäste ein und er kochte für diese. Immer noch waren sie ein schönes Paar! Und so glücklich! Das Baby sollte Emanuel heißen. „Gott ist mit uns“

Sie war wieder einmal den ganzen Tag allein zu Hause gewesen. Er kam spät heim, hatte nach der Schule noch in der Schreinerwerkstatt eines Bekannten gearbeitet um das Ehebett fertig zu stellen, da gab es wieder, wie so oft, einen Streit. Plötzlich spürte sie das Kind! Es fühlte sich an als sei etwas in ihr nach unten gefallen. Dann nichts mehr. Stille. Es ist nichts passiert, sagte sie sich.

In den folgenden Wochen wurde die Schwangerschaft immer anstrengender. Es war Winter, Weihnachten stand vor der Tür und es gab genügend Ablenkung: Plätzchen backen, das erste Weihnachten in ihrer kleinen Familie! Sie hatten Gäste, die wie er aus seiner Heimat geflohen waren. Es wurde schön gefeiert.

Am 5. Januar war der nächste Frauenarzttermin mit Ultraschall. Die Beiden waren gespannt. Sie ließ die Prozedur über sich ergehen. Er freute sich auf das neue Ultraschallbild: Wie groß wäre Emanuel jetzt? Der Arzt brauchte ziemlich lange. Er machte eine Pause und bat sie Wasser zu trinken, einen Spaziergang zu machen und in einer Stunde wiederzukommen. Nichts außergewöhnliches, es war immer so gewesen, dass sie mit voller Blase zur Untersuchung hatte kommen sollen, damit das Ultraschallbild leichter zu erstellen sei. Dieses Mal sei das nicht mehr nötig, denn es war ja nun die 20. Schwangerschaftswoche, hatte sie gedacht.

Die beiden gingen ins nahegelegene Kaufhaus, erstanden eine Flasche Wasser, die schnell geleert wurde. Anschließend ein Spaziergang durch die winterliche nachweihnachtliche Stadt. Irgendwann war die Stunde vorbei und der Arzt konnte ein weiteres Ultraschallbild anfertigen. Nun konnte er sicher sein. Deshalb also hatte er sie weggeschickt!

„Ich bin mir fast sicher, ihr Kind lebt nicht mehr. Ich habe vorhin ein Bild gemacht und jetzt wieder. Das sieht genau gleich aus. Es hat sich nicht bewegt. Es gibt keine Herztöne. Gehen Sie ins Krankenhaus, hier ist die Überweisung.“

Als sie an der Bushaltestelle standen und auf den Bus zur Klinik warteten, fiel sanft der Schnee. Sie erinnerte sich an einen Traum, den sie vor einigen Tagen gehabt hatte. Sie war mitten in der Nacht wach geworden, hatte geweint und gesagt „ich hab geträumt, unser Kind ist tot!“ Er hatte sie getröstet und gesagt es sei nur ein Traum gewesen. Nun waren sie mitten in diesem Alptraum und es gab keinen Trost!

  

11 Monate später.

Als zum ersten Advent wieder Schnee fiel, lag sie wieder im Krankenhaus. Das gleiche Krankenhaus und doch – alles war anders. Ein kleines Mädchen war geboren worden. Ihre Tochter trug den Namen Aresu, das heißt „Wunsch“.

Die Trauer schien vorbei. Alles war gut! Er hatte sein Wunschkind und sie hatte bewiesen dass sie in der Lage war ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Emanuel war nicht vergessen, aber er war tot. Und er wurde totgeschwiegen. 29 Jahre lang. Bis, ja bis jemand fragte: dieses Kind, das tot geboren wurde, welchen Namen hat es?

Sie brach in Tränen aus.

EMANUEL

Nimm ihn in Deiner Vorstellung auf Deinen Bauch und spür ihn!

Darum geht es jetzt!

JA!

EMANUEL!

Wenn ich nur seinen Namen denke, dann sehe ich vor meinem inneren Auge ein Kind das mich anlacht und sich freut und „Mama!“ sagt!

Der Name, den ich mir verboten hatte auch nur zu denken! Nun denke ich ihn. Sage ihn. erzähle von IHM. 

 

Und so geschah Heilung. In mir. Für mich und für Emanuel. Im selben Kontext ist mein Traum von dem Projekt in Korsika wiederbelebt worden. Das ist eine andere Geschichte. Aber irgendwie sind beide miteinander verwoben. Und so hat mein Sohn Emanuel meinem Projekt den Namen gegeben.

 

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