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AUBERGE EMANUEL

Meine Reise hat vor vielen Jahren begonnen. Heut bin ich an einer Position angelangt, die mich befähigt den nächsten großen Abschnitt zu entdecken. Dies will ich gerne mit Euch teilen.  

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Hier erzähle ich die Geschichte der Auberge Emanuel. Sie ist ein Teil meiner persönlichen Lebensgeschichte. Wie es dazu kam, das erzähle ich in diesem Teil meines Blogs..

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SONNE UND WIND

LAND UND MEER

EINS SEIN MIT ALLEM WAS IST

DIE GESCHICHTE VON FIPS

Das saßen sie nun. Zu Zweit. Allein. Gerade eben hatten sie ihre Tochter zu Grabe getragen. Clea Catherina. So klein war sie noch. Ihr Leben auf dieser Erde hatte nur 6 Wochen gedauert.

Sie konnte die Muttermilch nicht vertragen, so wie einst ihre Mutter, die mit Buttermilch aufgezogen worden war. Vor den Feiertagen war sie in die Klink gekommen und da hatte man nichts gemacht, nichts mehr machen können, nachdem sie an einem Klink-Keim erkrankt war.

Das Schrecklichste was Eltern passieren kann vielleicht.

Ich will zurück nach Düsseldorf sagte sie. Einverstanden, sagte er. Seine Kunstgalerie in München warf keinen Gewinn ab. Die Ersparnisse aus dem Studentenjob waren aufgebraucht. Sie würde sofort wieder eine Stelle finden und er könnte sich selbständig machen mit Messebau, das wäre für ihn als Innenarchitekt und Werbegrafiker eine gute Möglichkeit.

Gesagt, getan. Der Umzug fand satt und bald begann das neue Leben in der Stadt, in der sie einander kennengelernt hatten. Die Trauer war da. Immer. Sie sprachen nicht darüber, lebten sich auseinander. Finanziell ging es ihnen gut.

Dann wurde sie wieder schwanger. Nur – der Vater war ein anderer! Damals, in den späten 60ern des letzten Jahrhunderts war das ein Grund um „schuldig“ geschieden zu werden. Der Vater war bereits in einer Beziehung gewesen und auch diese Familie zerbrach. Das neue Kind, es war wieder ein Mädchen war gesund, so wie die weitere Schwester, die einige Jahre später geboren wurde. 

Da gab es nicht nur eine betrogene Frau, sondern auch einen kleinen Jungen, dessen Mutter sich nun nach der Trennung in einer verzweifelten Lage sah! Was sollte sie tun? Sie wollte sich und den kleinen Jungen umbringen! Ihr erschien es als einziger Ausweg.

Fips, der den Tod seiner geliebten Tochter nicht vergessen konnte und sich nicht vorstellen mochte dass da ein Kind war, das sterben sollte, fand das sei keine gute Idee. Er bot den beiden an bei ihm zu wohnen. Sie nahmen an und wuchsen in den folgenden Monaten als Patchwork Familie zusammen. 

So eine Scheidung kann ziemlich anstrengend sein. Nervenaufreibend. Die kleine Familie von Fips brauchte Erholung, da kam die Gelegenheit gerade recht:

Eine Freundin aus seiner Studentenclique hatte ein Haus auf Korsika und lud dorthin ein. Ein kleines Häuschen aus Natursteinen, mitten in einem Dorf am Cap Corse mit Blick auf das Meer und im Hintergrund die wilde Schönheit der Macchia. Die drei verbrachten den Sommer dort und weil es ihnen so gut gefiel kamen sie im folgenden Jahr wieder.

Fips hatte Sommerpause und konnte länger bleiben, und so wurde es ein ausgedehnter Aufenthalt. Seine Lebensgefährtin hatte eine Freundin dabei und als Spielkameraden für den Sohn wurde der Adoptivneffe von Fips, ein Indiojunge im gleichen Alter mitgenommen.

Sie gingen Baden, einkaufen auf dem Markt und lernten die Einheimischen kennen.  Zwischendrin baute Fips eine Treppe und Regale für seine Gastgeberin. Der korsische Nachbar, ein Lehrer kam herüber um das Werk zu bewundern und meinte er hätte Bedarf an Schreinerarbeiten. Fips, dem immer nur Strandleben ein wenig zu viel war, weil er eine Sonnenallergie entwickelt hatte, freute sich über die Aufgabe und ging froh ans Werk. So entstand eine Bibliothek aus Nussbaumholz. Der Lehrer war begeistert und als Dankeschön überschrieb er ein kleines Ruinengrundstück in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Nun konnte Fips, der sich als „korsikatauglich“ erwiesen hatte sein eigenes Haus dort bauen! Er ging froh ans Werk und begann mit den Bauplänen. Es dauerte nicht lange und die Baugenehmigung war erteilt. – Nein. Eine Planänderung war erforderlich. Die großen Panoramafenster seien nicht landesüblich und so mussten sie einer kleineren Fassung weichen.

Bald war alles geregelt und auch ein geeigneter Handwerker wurde gefunden, der mit den Bauarbeiten so bald als möglich beginnen sollte.

Fips heiratete die Mutter des kleinen Jungen und die beiden fragten ihn, ob er denn adoptiert werden wolle. Nein, sagte er, denn er könne den Buchstaben Y noch nicht schreiben und der wäre dann ja in seinem neuen Nachnamen enthalten. So behielt er seinen ursprünglichen Familiennamen. Das änderte nichts daran, dass Fips für ihn die Vaterrolle einnahm.

Zusammen mit dem Steuerbescheid kam in diesem Jahr eine große Überraschung: eine Nachzahlung der Kirchensteuer wurde fällig und Fips fiel aus allen Wolken: Seine gesamten Ersparnisse gingen drauf und die Kirche ließ sich auch nicht darauf ein auf diese Steuerschulden zu verzichten. Auch der Traum für die Hochzeitsreise – eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok blieb ein Traum.

So ergab es sich, dass der Bau des Ferienhauses in Korsika verschoben wurde. Nicht nur einmal. Die Auftragslage war gerade schwierig und es kam nicht genügend Geld herein. Jahr um Jahr verging und Korsika wartete. Fips hatte gesundheitliche Probleme, die Ehe kriselte und man zog um nach München.

Fips wusste, dass er etwas ändern musste in seinem Leben und suchte sich eine andere, weniger von Stress behaftete Arbeit. Nun, es half alles nichts, die Ehe wurde geschieden. Die Frau hatte einen anderen gefunden. Der Junge blieb bei Fips.

Wieder Stress mit einer Scheidung, wieder war er von seiner Frau verlassen worden, Fips ging auf die Suche nach Veränderung in seinem Leben und begann eine weitere Ausbildung. Er wurde Kunsttherapeut.

Noch während er mitten in der Ausbildung steckte kriselte es im Team des Ausbildungsinstituts und Fips, zusammen mit einigen Kommilitoninnen sah sich in der Lage in die Bresche zu springen. So übernahm er noch während seiner Ausbildung die administrativen Tätigkeiten für das Institut und begann mit seinem Psychologiestudium. Seine Diplomarbeit hatte natürlich ein Kunsttherapeutisches Thema: „Das Gruppenportrait“.

Ein wichtiger Meilenstein in dieser Zeit war die Reinkarnationstherapie bei Kerstin Dahlke. Fips gelang es das Rauchen aufzuhören, obwohl das nicht das erklärte Ziel gewesen war. Eine seiner Kolleginnen wurde seine neue Lebensgefährtin, die Kinder – ihre und auch sein Ziehsohn - waren mittlerweile erwachsen. Fips legte seinen Spitznamen ab und übernahm die administative und pädagogische Leitung des Instituts.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin leitete er Selbsterfahrungsgruppen, die Aufgabenstellungen dafür haben die Beiden über Jahre hinweg verfeinert und angepasst um eine möglichst umfassende und tiefgehende Selbsterfahrung anzuleiten, die jederzeit wiederholbar sein sollte. Den gemeinsamen Jahresurlaub verbrachten die Beiden in Kreta, wo zahlreiche Aquarelle entstanden. Korsika sei für die Partnerin an seiner Seite nicht attraktiv gewesen, erzählte er später.

Als das Institut wieder einmal in eine Krise geriet war Fips derjenige auf den sich alles entlud. Man machte ihn verantwortlich für Steuernachzahlungen und er gab seine Rücklagen dafür und musste auch noch Geld ausleihen. Die Beziehung ging in die Brüche und Fips kündigt seine Wohnung, in der ein Teil der Ausbildungsgruppen stattgefunden hatten.

Er nannte es „herumschlafen“. Mal hier, mal da. Für ein paar Tage, für ein paar Wochen. Bis seine neue, viel kleinere Wohnung gefunden war. Zum Glück gab es einen Keller und einen Dachboden, da konnte vieles untergebracht werden.

Dann begegnete ihm eine wunderschöne junge Frau in einer seiner Ausbildungsgruppen. Sie war verheiratet und der Ehemann und Vater der Kinder hatte eine Freundin. Sie könne doch auch, meinte der und so gab es eine Liaison. Die Kinder sollten ihre Familie behalten, deshalb war es verabredet, dass die Beziehungen offen sein sollten.

Diese Frau wurde seine Muse. Wunderschöne lange schwarze Haare, eine tolle Figur. Es gab jede Menge Fotos und danach Bilder. Kleine Aktbilder in Postkartengröße, gemalt mit farbiger Tusche in der Art eines Aquarells.

Als diese Ausbildungsgruppe ihren letzten Tag hatte sie gingen alle für ein Abschiedsritual an die Würm. Sie hatten kleine Boote gebaut, mit denen sie das, was sie loslassen wollten auf die Reise schickten. Da geschah es.

Ludwig kippte um. Einfach so. Ohne Vorwarnung.

Der Krankenwagen wurde geholt und nach einigen Tagen im Krankenhaus war die Diagnose klar: Ein tennisballgroßes Karzinom auf der Leber. Es wurde ein OP Termin vereinbart und wie es so ist, bei Selbständigen: er arbeitete weiter bis zum geplanten Termin, musste doch die nächste Selbsterfahrungsgruppe begonnen werden.

So lernte ich ihn kennen.

Nein, gesehen hatte ich ihn schon einmal, einige Monate vorher. Damals hatte ich kurz hin gespürt und wahrgenommen: Er ist in einer Beziehung, die Kinder sind erwachsen: Nichts für mich. Häkchen dahinter.

Dann war er mein Lehrer und somit für mich tabu.

Er erzählte von sich an diesem ersten Wochenende das dem Kennenlernen, dem Entdecken der anderen Gruppenmitglieder und der Synchronizitäten dienen sollte. Wenn wir uns ihm gegenüber öffnen, dann sei es unser Recht zu erfahren, wen wir vor uns haben. Er erzählte seine Lebensgeschichte und wurde so zu einem Begleiter, den wir gut spüren konnten.

Er erzählte auch von seiner Diagnose und dass es nicht sicher sei, ob er uns weiterhin begleiten würde, da die OP eine Überlebenschance von 50 % habe.

Es ging weiter. Einen Monat später als geplant, aber er hatte überlebt und gleich auch seinen Abschied eingereicht. Wir waren die letzte Gruppe die er für 9 Monate der Selbsterfahrung begleitete. Dann, einige Wochen vor dem Abschluss erzählte er von der schönen Frau und zeigte uns seine Bilder. Wir hatten ja wissen wollen, wie es ihm ging und was er vorhatte. Nun, die Liaison sei eigentlich zu Ende. Sie trafen sich nur noch selten und telefonierten gelegentlich.

Nach dem Abschluss, der dieses mal ohne Zwischenfälle verlief, gab es noch einen 3-Tage-Block mit dem Gruppenportrait. Ich war dabei, obwohl ich krank war. Er hielt den Kurs, obwohl er krank war.

Für mich waren die Monate der Selbsterfahrung eine sehr besondere Zeit gewesen. Parallel dazu hatte meine Scheidung stattgefunden und der Wechsel meiner Kinder zum Papa. Ludwig hatte immer passende Worte für mich gefunden.

„Früher oder später“, sagte er, „müssen wir alle unsere Kinder loslassen. Manche früher, andere später. Bei Dir ist es eben jetzt. Mindestens sind sie noch in dieser Welt.“

Ich verstand was er meinte. Sein Ziehsohn lebte damals in London und ich konnte spüren, dass er Sehnsucht nach ihm hatte, genauso wie nach seiner Tochter die so früh gestorben war.

„Versuche zu akzeptieren was ist. Das was ist, ist die Lösung. Wahrnehmen was ist, akzeptieren was ist.“

Manchmal, wenn ich als Erste kam zu unseren Wochenendkursen hat er mich umarmt und geküsst. Später habe ich ihn danach gefragt und er sagte er habe mir einfach nur etwas Gutes tun wollen. Genau so hatte es sich angefühlt. Liebevoll und fürsorglich.

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